Rezensionen

… zu „Johann Amos Comenius und das Colloquium Charitativum in Thorn 1645. Ein Beitrag zum Ökumenismus“. Siedlce: tutajteraz 2013. 545 S. mit zahlr. Abb., Register der zitierten Bibelstellen und Comeniusschriften, der geographischen und ethnischen Begriffe und der Personennamen.

Weber, Prof. Dr. Friedrich, Bischof em., langjähriger Catholica- Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD), in: Ökumenische Rundschau 63 (2/2014), 302f.:

… äußerst detaillierte, umfangreiche und kenntnisreiche Erarbeitung des Beitrags des Comenius zum Colloquium Charitativum. Eindrucksvoll beschreibt Richter die Situation im Europa des 17. Jahrhunderets … entfaltet umfangreich an Hand der Quellen das Denken des Comenius im europäischen und polnischen Kontext, um mit der Darstellung des Kolloquiums von Thorn und des Hauptwerks des Comenius „de rerum humanarum …“ überzuleiten auf die aktuelle Frage, welche Bedeutung Comenius für den Ökumenismus heute haben könnte. Aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang die aufgezeigten Verbindungen zu Leibniz, sowie seine Bedeutung für Daniel Ernst Jablonski und weiter die Wirkungsgeschichte in einem weiten Bogen über Lessing, Herder bis zu Schleiermacher. Von besonderer Bedeutung ist im abschliessenden Kapitel die Zusammenschau der aktuellen Situation mit den visionären Perspektiven von Comenius. Der wünschte sich ein allgemeines Konzil, an dem alle Betroffenen, d.h. Theologen, Politiker, Philosophen, samt den Normalbürgern teilnehmen könnten, um einen gesteuerten Gesprächsprozess zu eröffnen, an dessen Ende sich die Wahrheit durchsetzen würde.
… Die Arbeit zeigt, wie ertragreich auch für die gegenwärtige ökumenische Forschung eine vertiefte Auseinandersetzung mit Comenius sein kann, beschreibt sie doch deutlich, dass Comenius trotz wesentlicher Einbringung in die Brüderunität die Notwendigkeit der Einheit sah. „Richter plädiert für eine ‚‚Verschiedenheit in Gemeinschaft‘, die mit den Worten Comenius‘ ein ‚Zusammen-wachsen‘ ermöglichen könnte“ (co-alescere).

Modehn, Christian, Journalist, Berlin, in: Internetkommentar 18. Februar 2014 CM – Denken und Glauben:

… bisher ist es der breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt, dass in der polnischen Stadt Thorn im Jahr 1645 ein wohl bedachter Versuch gewagt wurde, eine gemeinsame theologische Basis zu finden für die zerstrittenen, sich bekämpfenden Protestanten und Katholiken … im Geist der Friedfertigkeit und des wechselseitigen Verstehens noch gegen Ende des „Dreissigjährigen Krieges“. Diese Studie zeigt auch zahlreiche Informationen für philosophisch Interessierte … Comenius selbst, der grosse Theologe der böhmischen Brüder, bemühte sich, eine über das Konfessionelle hinausgehende Vision des Christlichen zu entwickeln, die auf der Bibel wie auch der wahren katholischen (!) Lehre beruhte … eine Art ökumenische Theologie der gemeinsamen Grundlagen … und eine nicht konfessionalistische „vere catholica philosophia“.

Scheilke, Prof. em. Dr. Christoph, ehem. Direktor des Theologischen Bildungszentrum der Ev. Kirche in Württemberg, Peetz , in: Comenius-Jahrbuch 20-21 / 2012-2013, 155-158:

… es wird deutlich, dass und wie die beiden grossen Kirchen auch heute noch von Comenius zu lernen haben. Denn seine Formel „Christianismus reconciliabils Christo reconciliatore“ kann weiterhin als ökumenische Leitidee gelten“ (mit Kard. Kasper)… Richter hat einen nicht nur für die Comeniusforschung, die Friedens- und Versöhnungsarbeit und für die Ökumenische Bewegung heute wichtigen Band verfasst, sondern auch einen überaus erkenntnisreichen Beitrag zur Theologie- und Kirchengeschichte vorgelegt… Er arbeitet nicht nur die inhaltlichen Argumentationsstränge heraus, derer sich Comenius bedient und in denen viele der grundlegenden Aspekte von Pansophie und Consultatio Catholica aufscheinen. Er betont auch die ‚aesthetisierende Sprechweise“, welche Möglichkeiten tieferer Einsicht eröffne -„Rhetorik auf hohem Niveau. Und sie ist auf Verständigung ausgerichtet.“ … Die Theologie des Comenius und seine enorme theologie-geschichtliche wie systematisch-theologische Bedeutung liegen nun viel klarer vor Augen. Jetzt kann auf neuer Grundlage weiter geforscht werden… so gehört dieser Band in jede öffentliche wissenschaftliche Bibliothek, nicht nur in den theologischen und geisteswissenschaftlichen Fakultäten.

Lütcke, Dr. Karl-Heinrich, Propst i. R., Berlin, in: die kirche, Berlin, 5/1.2. 2015, S. 8:

… mit den bisher nur lateinisch lesbaren Schriften, die der Vor- und Nachbereitung des Thorner Religionsgesprächs dienten … rückt auch der Theologe und Kirchenmann Comenius eindrücklich ins Blickfeld, der Pfarrer und (Exil)Bischof der böhmischen Brüder, der durch die Gegenreformation aus seiner böhmischen Heimat wegziehen musste und sich in Polen engagiert um eine Verständigung zwischen den Konfessionen bemühte – innerevangelisch (zwischen Lutheranern und Reformierten) und gesamt-christlich. .. Das Buch ist auch ein Beitrag zur Geschichte und Kirchengeschichte unseres Nachbarlandes Polen. Die Leidenschaft für den ökumenischen Dialog, ja auch für ein welt-weites ökumenisches Konzil teilt der Verfasser mit seinem Vorbild Comenius.

Dr. Martin Steiner, Mitherausgeber der wissenschaftlichen Ausgabe der Opera Omnia (OO) des Comenius bei der Tschechischen Akademie der Wissenschaften Prag, in: Acta Comeniana 27 /Archív pro badaní o żivotê a sile Jana Amose Komenského LI, Prag 2013, S. 192-197:

… Von Bedeutung ist sicherlich, dass Richter … das Thema als Theologe aufgreift, zudem als Theologe mit augenscheinlichem Interesse an den ökumenischen Anstrengungen der Gegenwart …Richter stellt dem Leser Comenius hier als Denker vo, der praktisch seit den Anfängen seines literarischen und öffentlichen Wirkens in der konstruktiven Kritik am religiösen Leben seiner Zeit und dem Milieu, das er überblicken konnte, Anregungen zu einer friedlichen Beseitigung der festgestellten Widersprüche … suchte und fand. .. Richters Bild von Comenius als bedeutendem Mann im Vorbereitungsprozess der Thorner Begegnung [ist] wichtig. – Der abschliessende Teil der Monographie macht den Leser mit der Rezeption der ökumenischen Ansichten des Comenius nach dessen Tod bekannt – von Leibniz über Herder und Schleiermacher bis in die Gegenwart. Hier verweist Richter auf die Aktualität der Ansätze des Comenius auch für die zeitgenössischen ökumenischen Anstrengungen. – Das Buch ist mit einem umfang- und inhaltsreichen Anmerkungsapparat, einer umfassenden Bibliographie und mehreren Registern ausgestattet (zitierte Bibelstellen, Comenius-Schriften, geographische und ethische Bezeichnungen, Personen). Zum Standard gehören auch eine Zusammenfassung in englischer, italienischer und tschechischer Sprache und eine gut gewählte Bildbeilage, die zweifellos dokumentarischen Wert besitzt.“ – [Kritisiert und bedauert wird, dass angesichts dessen Mängel im Druck und gelegentliche Zitationsfehler nicht korrigiert werden konnten.]

Janusz Małłek, Prof. an der Kopernikusuniversität Thorn, in: Archiv für Reformationsgeschichte Vol. 43 2014, Nr. 233 S.85f.:

„Das hier besprochene Buch von Manfred Richter stellt einen wesentlichen Nachtrag und eine wichtige Ergänzung der bisherigen Monographien über das Colloquium von Thorn dar. In dem I. Kapitel schildert der Autor des Leben und die Tätigkeit des J. A. Komeński, und im II,. Kapitel gibt er eine umfangreiche und kritische Analyse der sechs ausführlichen Schriften von Komeński, die der bisherigen Literatur nicht bekannt waren, und die dem Colloquium vorausgegangen sind. In diesem Schriften schildert Comenius seine Ideen bezüglich der Annäherung und schliesslich auch der Versöhnung der christlichen Kirchen in Europa. … Wertvoll in dem Buch ist auch das III. Kapitel, das Komeńskis ökumenische Vision des Christentums beschreibt. Zum Schluss hin schildert der Autor, wie die Irenik und der Ökumenismus in den Werken solcher Autoren wie Wilhelm Leibniz, Daniel Ernst Jablonski, Johann Georg Herder und Friedrich Schleiermacher bis zum heutigen Tage verzeichnet wurden. Das Buch, das von einem deutschen Autor geschrieben wurde, wurde mit Hilfe polnischer Mitarbeiter zur Herausgabe vorbereitet und in Polen veröffentlicht. Diese Tatsache ist ein positives signum temporis.“

Schweitzer, Friedrich, Prof. Prakt. Theologie Uni Tübingen, i: ThLZ140 (2015) 9, Sp. 995f.:

„Der Band ist einem bislang in der Comenius-Forschung, aber auch darüber hinaus noch wenig berücksichtigten Thema – dem Beitrag des Comenius im Rahmen des Religionsgesprächs in Thorn und seiner Vorgeschichte – gewidmet dass Manfred Richter zugleich dazu nutzt, Comenius als ökumenischen Theologen insgesamt stärker ins Bewusstsein zu rufen. Diesem Anliegen präludieren auch die Geleitworte …geradezu opulentes Werk … Es geht dem Vf. darum, über die minutiöse historische Beschreibung hinaus auch die Gegenwart- und Zukunftsbedeutung des comenianischen Werkes zur Geltung zu bringen… Dieser anregenden und über weite Passagen trotz oder auch wegen der detailreichen Darstellung, gut lesbaren Abhandlung kommt das Verdienst zu, nicht nur bislang wenig beachtete …Schriften und Gedankengänge von Comenius durch eine zusammenhängende systematische Interpretation neu ins Bewusstsein gerufen zu haben, sondern auch Polen als eine wichtige Wirkungsstätte und als bedeutsamen Kontext für die Arbeit des Comenius. … Insofern ist es sehr zu begrüssen, dass mit dem vorliegenden band die polnische Zeit im Leben des Comenius eine eigene engagierte Würdigung erfährt.

Dr. Bogdan Milerski, Prof., Rektor der Christlich-Theologischen Akademie, Warschau/Warszawa, in einem nach der Lektüre des deutschen Buches für eine polnische Ausgabe auf Polnisch bereitgestellten Text, als Geleitwort abgedruckt in: Jan Amos Komeński. Zarys życia i działalności , 2016, S. 15-18, Übers. des Zitats durch Vf.:

„Dank der Biographie Richters lernen wir Komeński nicht nur als protestantischen Theologen, als Pädagogen, als Kirchenmann, als Gelehrten und Politiker kennen, sondern nicht weniger als verantwortungsvollen Bürger der einstigen [polnisch-litauischen] Adelsrepublik und von ganz Europa. …Das Buch Manfred Richters ist nicht nur eine historische Biographie des Komeński, sondern nicht weniger eine Studie zur Geistes- und Ideengeschichte, deren Bedeutung wir heutzutage neu würdigen müssen“.

Dr. Jiří Beneš, Philosophisches Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, Prag, in: Studia Comeniana et historica, Uherský Brod (CZ), 2016 (im Erscheinen begriffen) (in Tschechisch):

„Der Rezensent hebt die Entdeckung der einschlägigen Dokumente in ihrer Bedeutung für die Theologiegeschichte hervor und würdigt die Interpretation in ihrer Differenz zu Sicht Magnis durch dessen Ordensbruder, den Historiker Stanislaus Soucek, dessen italienische Notate aus den Akten der römischen Ordenszentrale in der Studie berücksichtigt wurden. Er betont den Aufweis der Verbindung der theologischen Auseinandersetzung im Polen mit dem in Amsterdam niedergeschriebenen (und nur in geringen Teilen damals publizierten) Hauptwerk und die Berücksichtigung der spätesten Aufzeichnungen des Comenius, wie sie, neben seinem Hauptwerk, in den damals ebenfalls nicht mehr veröffentlichten Clamores Eliae vorliegen. Ferner unterstreicht er deren Kongruenz mit den an Papst Benedikt XVI. anläßlich seines Deutschlandbesuches 2011 gerichteten Forderungen des ökumenischen Arbeitskreises Berlin-Tübingen, die zum Vergleich im Anhang des Buches mit abgedruckt sind.“

Prof. Dr. Josef Nolte, em. Kulturwissenschaftler an der Universität Hildesheim:

Prof. Nolte hat eine Rezension eingereicht bei der Theologischen Quartalsschrift Tübingen, die von der r.-katholischen Theologischen Fakultät Tübingen herausgegeben wird. Sie liegt mir noch nicht vor.